IPSY – ein suchtpräventives Lebenskompetenzenprogramm
IPSY (Information + Psychosoziale Kompetenz = Schutz) ist ein nachweislich wirksames primärpräventives Programm für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7. Basierend auf dem bewährten Lebenskompetenzansatz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stärkt IPSY persönliche und soziale Kompetenzen, die einen angemessenen Umgang mit Herausforderungen und Belastungen ermöglichen. Darüber hinaus zielt IPSY auf die Wissensvermittlung und die Förderung einer positiven Beziehung zur Schule ab. Damit wird Substanzkonsum langfristig verhindert beziehungsweise reduziert. Das Programm wird praxisnah von qualifizierten pädagogischen Fachkräften der eigenen Schule umgesetzt.
Ziel & Zielgruppe
IPSY richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 7. Als Vermittelnde werden Lehr- und andere pädagogische Fachkräfte dieser Klassenstufen adressiert. IPSY befähigt Heranwachsende, die Herausforderungen der Jugendphase angemessen zu bewältigen und dem Substanzkonsum zu widerstehen.
IPSY will vor allem:
- den Erstkonsum von Alkohol und Zigaretten hinauszögern,
- den typischen Konsumanstieg im Jugendalter reduzieren,
- den Konsum illegaler Drogen sowie Substanzmissbrauch und -abhängigkeit verhindern sowie
- eine gesunde psychosoziale Entwicklung im Jugendalter fördern.
Dafür setzt IPSY an vier Punkten an:
- Es fördert Lebenskompetenzen wie zum Beispiel Selbstwahrnehmung, Umgang mit Stress und Emotionen sowie kommunikative Fähigkeiten.
- Es trainiert substanzbezogene Kompetenzen, beispielsweise Konsumangebote klar abzulehnen.
- Es vermittelt Wissen zu Substanzen und Informationen darüber, wie verbreitet Konsum ist.
- Es stärkt die positive Bindung an die Schule.
Ablauf
IPSY besteht aus drei aufeinander aufbauenden Programmteilen für die Klassenstufen 5 bis 7. In Klasse 5 vermittelt IPSY vor allem allgemeine persönliche und soziale Lebenskompetenzen (Basisprogramm, 15 Einheiten). In Klasse 6 und 7 vertiefen die Jugendlichen die Inhalte: Sie wiederholen zentrale Bausteine und wenden sie in Übungen an (Aufbauprogramme, jeweils 7 Einheiten). Ein weiterer Programmteil für die Klassenstufe 8 mit dem Schwerpunkt Cannabisprävention wird derzeit evaluiert.
Methodik und Anwendung in der Schule
IPSY stärkt Kompetenzen vor allem über praktische und interaktive Übungen in der Gruppe. Ergänzend vermittelt das Programm Wissen zu Konsumhäufigkeiten, Konsequenzen und Wirkungsweisen von Alkohol und Zigaretten.
Geschulte Lehr- und weitere pädagogischen Fachkräfte setzen IPSY an der eigenen Schule im Klassenverband um. Das strukturierte und detaillierte Manual führt Schritt für Schritt durch alle Einheiten.
Kostenfreies Angebot und Kontakt
Sie haben Interesse an IPSY? Schulen können sich beim Projektteam der Universität Jena melden. Das kostenfreie Angebot umfasst:
- Schulungen für zukünftige Programmvermittelnde (Lehrkräfte, Schulsozialarbeitende, anderes pädagogisches Schulpersonal),
- das Manual sowie
- Beratung vor, während und nach der Umsetzung.
Bestandteile
In ihrer Bildungseinrichtung
Wenn Sie IPSY an Ihrer Institution durchführen möchten, können sich die zukünftig umsetzenden Lehr- oder Fachkräfte Ihrer Einrichtung zu einer regionalen Fortbildung anmelden – wahlweise in Präsenz oder Online.
Planung der Umsetzung
Spätestens nach der Fortbildung planen Sie die Umsetzung in den Klassen verbindlich, zum Beispiel im Rahmen von Klassenleitungsstunden, im Fachunterricht, in der fächerübergreifenden Lernzeit oder an Projekttagen. Welche Variante für Ihre Schule und Ihr Lehrpersonal am besten passt, wird in der Fortbildung besprochen. Bei Bedarf unterstützt das IPSY-Projektteam Ihre Planung auch individuell.
Was die Umsetzung erleichtert
Für eine wirksame und nachhaltige Umsetzung haben sich folgende Punkte bewährt:
- aktive Unterstützung und Rückhalt durch Schulleitung und Kollegium
- Planung vor Beginn des Schuljahres
- feste IPSY-Stunden im Stundenplan
Kontakt
Sie möchten IPSY an Ihrer Schule umsetzen? Melden Sie sich gern bei uns.
Das IPSY-Projektteam
apl. Prof. Dr. Karina Weichold (Projektleiterin)
Dr. Anja Blumenthal, Dr. Theresa Manges, Anne Kilian
Kontaktinformationen
Telefon: 03641 945223
E-Mail: ipsy(at)uni-jena.de
Website: www.ipsy.uni-jena.de
Friedrich-Schiller-Universität Jena Institut für Psychologie, Arbeitsbereich Jugendforschung
Projekt IPSY
Am Steiger 3, Haus 1
07743 Jena
Evaluationsergebnisse
IPSY wurde im Rahmen eines langjährigen Forschungsprogramms an der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelt, in vielen Schulen durchgeführt und in seiner Wirksamkeit belegt. Es ist ebenfalls in der Grünen Liste Prävention aufgeführt.
Die mehrjährige Evaluationsstudie zeigt:
- IPSY lässt sich im Schulalltag gut umsetzen und kommt sehr gut bei Schülerinnen und Schülern an.
- Jugendliche, die an IPSY teilnahmen, konsumieren im Vergleich zu anderen seltener Alkohol, Zigaretten und illegale Drogen. Außerdem bauen sie persönliche und soziale Kompetenzen und Selbstvertrauen intensiver aus, stärken ihre Schulbindung und verbessern das Klassenklima.
- Die suchtpräventiven und entwicklungsfördernden Effekte wirken teilweise bis ins junge Erwachsenenalter nach.
- Auch das Lehrpersonal profitiert: IPSY stärkt ihre Selbstwirksamkeit und erweitert ihr Methodenrepertoire.
Eine zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der Studien zur IPSY-Umsetzung finden Sie in: Weichold, K., Blumenthal, A., Kilian, A. & Silbereisen, R. K. (2023). Suchtprävention in der Schule. IPSY – Ein Lebenskompetenzenprogramm für die Klassenstufen 5 bis 7 (2., überarbeitete Ausgabe). Hogrefe